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Lungenkarzinom und Lungenmetastasen

Informationen über Entstehung, Diagnostik und Therapie

Sehr geehrte Leser, liebe Patienten und Patientinnen,

auf den folgenden Seiten können Sie sich über die Entstehung, deren Diagnostik und Therapie von Lungenkarzinomen und Lungenmetastasen informieren.

Lungenkarzinom / Lungenkrebs

Fakten:
Jährlich sterben in Deutschland ca. 54 000 Menschen an Bronchialkarzinom (Lungenkrebs). (ca. 29000 Männer, 25000 Frauen) Damit stellt insgesamt das Bronchialkarzinom die häufigste Todesursache für Krebserkrankungen dar.

Nach Diagnosestellung des Lungenkarzinoms überleben knapp 40 % der Patienten die nächsten 5 Jahre.

Risikofaktoren:¶
1. Risikofaktor: Raucher
2. Risikofaktor: Berufliche Exposition von krebserregenden Substanzen

Daten:
Aktive Raucher: 12 - 22 fach erhöhtes Risiko, an Lungenkarzinom zu erkranken (im Vergleich zum Nichtraucher)

Verschiedene Substanzen im Tabakrauch schädigen die Zellen des Bronchialsystems und führen über die Jahre zur Umwandlung von normalen Zellen in Krebszellen.
In der Regel werden die so veränderten Zellen vom Immunsystem erkannt und eliminiert. Falls es einer Tumorzelle gelingt, das Immunsystem auszuschalten kommt es zu einem ständigen Teilungsvorgang, der in der Entstehung von Tumorknoten, Wucherungen, Tumorausbreitung resultiert.

Heilungschancen/Überlebensrisiken:

Wissenschaftliche Analysen haben zeigen können, daß die Überlebenschancen umso besser sind, je früher die Tumorerkrankung entdeckt und behandelt wird.
Für Tumoren, die in einem frühem Stadium erkannt werden, ist die Chance, 5 Jahre zu überleben, zwischen 70-80%.

Merksatz:
Die Prävention, daß heißt Maßnahmen, zur Verhinderung der Tumorentstehung wie auch die Früherkennung führen zur besseren Überlebenschancen

Methoden zur Früherkennung des Lungenkarzinoms (Lungenkrebs):

Prinzipiell eignen sich mehrere radiologische Untersuchungsverfahren zur frühen Erkennung von Tumoren.

Bislang war die Diagnostik fokusiert auf die sogenannte Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane (Lungen-Bronchial-System, Herz-Kreislaufsystem).

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit besteht in der Untersuchung des Sputums (Bronchialschleim) auf Tumorzellen. Die Untersuchungen konnten jedoch zeigen, daß diese Technik nicht in der Lage ist, Tumoren so früh zu entdecken, dass die Überlebenschancen verbessert werden können.
Die onkologisch ausgerichtete Computertomographie der Brustorgane ist dagegen in der Lage, Tumoren ab einer Größe von wenigen Milimetern (2-3 mm) zu erkennen.
Wenn ein Tumor in dieser Phase entdeckt wird, entspricht er einem sehr frühen Stadium, einem sogenannten Frühstadium (1A).

Gemäß des Early Lung Cancer Action Program (ELCAP)( eine Studie der Cornell University New York) konnte gezeigt werden, daß die Computertomographie dabei in der Lage ist, die meisten Krebsherde in einer frühen Phase, im Stadium 1A, entsprechend zu erkennen.
Der Vorteil liegt dabei in der Verbesserung der 5-Jahres Überlebensrate auf Werte zwischen 70 und 80 %. Damit stellt die Computertomographie des Thorax das überlegene Verfahren, dar um Lungenkrebs im Frühstadium zu erfassen.

Kleines peripher gelegenes Bronchialkarzinom ohne Nachweis von mediastinalen Lymphknoten (T1N0M0)

Einige Charakteristika der Onkologischen Computertomographie der Lunge

  • Spezielle Durchführung der Computertomographie mit niedriger Strahlendosis (low dose)
  • Unter Durchführung an einem modernen Computertomographen (Mehrzeilen-Computertomograph)
  • Datenaufnahmezeit: 4-8 sec.
  • Strahlendosis: Entsprechend einer konventionellen Röntgenaufnahme in 2 Ebenen
  • Räumliche Auflösung: Im Vergleich zur konventionellen Röntgenaufnahme verbessert 10-100 fach
  • Intervall der Untersuchung:
  • Aktive Raucher: Jährliche Kontrolluntersuchung:
  • Definition eines aktiven Rauchers : packs/year (Päckchen/pro Jahr x Jahre)
  • Das bedeutet 10 Jahre lang 1 Päckchen pro Tag oder 5 Jahre lang 2 Päckchen pro Tag
  • Bei ehemaligen Rauchern sollte die Untersuchung die ersten 10 Jahre nach der Nikotinabstinenz regelmäßig wiederholt werden.
  • Nach einem Zeitintervall von 10 Jahren ist das Risiko an Lungenkrebs (oder auch Bronchialkarzinom) zu erkranken, auf das der Normalbevölkerung erreicht.

Vorgehen bei Entdeckung eines verdächtigen Lungenherdes bei Computertomographie. Folgende Szenarien:

1. Die Computertomographie zeigt einen unauffälligen Befund: damit ist die Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen eines Bronchialkarzinoms extrem niedrig
Ausnahmen: in der Schleimhaut wachsende, jedoch seltene Tumorerkrankungen

2. Die Computertomographie zeigt einen stark verkalkten/mehrere stark verkalkte Rundherde (Granulome). Dies kann ein Hinweis auf eine zurückliegende Lungenerkrankung entzündlicher Ursache sein. eine abgelaufene Lungenentzündung/Tuberkulose

3. Unverkalkte Herde in der Computertomographie
Rundherd > 4 mm nicht verkalkt : hier wird eine Verlaufskontrolluntersuchung im Abstand von 6 Monaten empfohlen. Bleibt der Rundherd der Größe und Dichte nach unverändert, so kann mit hoher Sicherheit von einem gutartigen Befund ausgegangen werden

4. Verkalkter Rundherd in der Computertomographie
Wächst der Rundherd an Größe, so besteht der Verdacht auf Bösartigkeit, und es muss eine weitere Sicherung durchgeführt werden.Dies ist in der Regel eine CT-gestützte Punktion zur histologischen Sicherung.
Rundherd < 4 mm: Hier ergibt sich ebenfalls die Möglichkeit einer engmaschigen Verlaufskontrolle im Abstand

Zur Frage Größenzunahme:
Falls hier eine Größenzunahme stattfindet, muss auch eine histologische Sicherung erfolgen. Bei positiver Diagnosestellung erfolgt in der Regel eine operative Entfernung des Tumors.

Dreidimensionale Darstellung eines peripher gelegenen Bronchialkarzinoms der rechten Lungenspitze. Gesamtübersicht

Dreidimensionale Darstellung eines peripher gelegenen Bronchialkarzinoms der rechten Lungenspitze. Ausschnittvergrößerung

Lungenmetastasen

Bösartige Tumoren können prinzipiell Metastasen in sämtliche Organsysteme setzen, bevorzugt auch in die Lunge. Aus den Tumoren werden über den Blutweg oder über die Lymphbahnen einzelne Zellen in andere Organe abgesetzt. Die Lunge ist sehr häufig dann dabei betroffen. Lungenmetastasen sind auch Tochtergeschwülste der Lunge:

Besonders gehäuft finden sich Lungenmetastasen bei folgenden Tumoren:

  • Dickdarm- und Enddarmkrebs
  • Nierenzellkrebs
  • Tumoren aus dem Kopf- und Halsbereich
  • Hodenkrebs
  • Knochenkrebs
  • Hautkrebs
  • Viele andere Tumoren

Leitbeschwerden

Lungenmetastasen werden meistens im Rahmen von Nachsorgeuntersuchungen aufgedeckt, ohne dass der Patient Symptome aufweist. Im Rahmen der Röntgenuntersuchungen zeigen sich die Metastasen als rundliche Strukturen im Bereich des Lungenmantels. Sie können auch zentral innerhalb der Bronchien wachsen oder in die Lymphknoten des Thoraxraums ausstreuen. Schmerzen im Brustbereich weisen darauf hin, dass die Tumoren in die Wandstrukturen bis in die Rippen hin eingewachsen sind.

Symptome im fortgeschrittenen Stadium sind:

  • Bluthusten
  • Bronchitis
  • Zunehmende Atemnot
  • Schmerzen in der Brust und Gewichtsverlust

Weitergehende Diagnostik

Die wichtigste Diagnostik stellen Röntgenuntersuchungen der Lunge dar, allen voran die sogenannte Röntgenaufnahme der Lunge. Diese sollte in 2 Ebenen durchgeführt werden. Eine weiterführende Diagnostik stellt die Computertomographie der Lunge dar, die ohne oder mit Applikation von Kontrastmittel über die Armvene durchgeführt wird. Falls hier Zweifel bestehen, kann mittels einer computertomographisch gezielten Punktion Gewebe aus der Metastase entnommen werden. Die Untersuchungen sollen vor einer Therapieentscheidung folgende Fragen klären:

1. handelt es sich um eine oder mehrere Metastasen?
2. die Größe der Metastasen
3. sind auch in anderen Organsystemen Metastasen?
4. wie ist der Allgemeinzustand der Lunge (Zustand nach vorangegangenen Operationen, Emphysem usw.)?

Therapie

Nach der ausführlichen Diagnostik der Lunge wird diskutiert, welche Behandlungsverfahren in Frage kommen.

1. Operative Entfernung der Lungenmetastasen
2. Allgemeine Chemotherapie
3. Lokale Behandlungsverfahren:
      Lasertherapie
      Radiofrequenzablation
      Lokale Chemotherapie für Lungenmetastasen

Die operative komplette Entfernung der Metastasen bietet zwar die besten Chancen, die Metastasen zu entfernen. Hier muss jedoch ein Sicherheitsabstand eingehalten werden, und die Lunge muss eröffnet werden.

Vorgehen dieser Therapiemaßnahme:

1. Computertomographische Diagnostik
2. In örtlicher Betäubung wird die Metastase punktiert - es wird eine Laser/Hochfrequenznadel eingeführt. Es kommt zu einer thermischen Zerstörung der Metastase, die in der Regel 15 - 30 Minuten dauert.
3. Danach komplette Entfernung des Punktionssystems. Bilder dann zusätzlich noch mit beigefügt.
4. Überwachung über 6 - 8 Stunden.
5. Kontrolluntersuchung nach 24 Stunden